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artforum berlin

Als Kind des digitalen Zeitalters ist mir aufgefallen, dass die DIGITALE PRÄSENZ  von Kunstgalerien von „so gut wie nicht vorhanden“ bis zu „hermetisch abgeriegelt“ reicht. Galerien kultivieren auf ihren Webseiten den MYTHOS um sich selbst. Wenn man viel Glück hat, erhascht man eine knappe Beschreibung zur Positionierung der Galerie, sieht, wenn es richtig gut läuft, die Gesichter der Künstler und liest dazu ein schwer verständliches „ARTIST STATEMENT“. Dasselbe Spiel kann man auf Seiten der Sammler beobachten: man gibt sich digital nicht zu erkennen und erst in jüngster Zeit hat eine neue Generation den Wert der Vernetzung und des Austausch entdeckt.

Arndt und Partner

Soweit zum Onlineverhalten der Kunstszene. Aber wie sieht der Austausch zwischen privaten Sammlern, Galeristen und Museumsdirektoren im anfassbaren Leben aus?

Ich bin auf Motivsuche. Will wissen, ob eine NEUE SAMMLERGENERATION heran wächst, die offener geworden ist im Austausch untereinander und mit der breiteren Öffentlichkeit. Mich interessiert das Selbstverständnis von privaten Sammlern wie Christian Boros, Ivo Wessel, Erika Hoffmann oder Christiane zu Salm. Sammler, die Kunst öffentlich begehbar machen und damit vom zu medial heiß diskutierten Geschmacksbildnern avanciert sind.
 Praktischerweise bin ich den Vier auf dem „berlin talk“ des artforum begegnet.

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Privatsammler gegen Privatsammler?
Und war ÜBERRASCHT wie entschieden, ja begeistert, sich Boros, zu Salm und Hoffmann für den Austausch zwischen den privaten Sammlern ausgesprochen haben. Man kennt sich, inspiriert sich und teilt sowohl die Besucher als auch den Genuss am neuesten Kunsterwerb. Christian Boros hat es so ausgedrückt: „Früher in Köln gab es das Geschmacksmonopol Peter Ludwig. Das hat die anderen gelähmt, man hatte keine Lust, sich mit dieser Omnipotenz zu messen. Die Gründungswelle der privaten Sammler hat das verändert. Kunst zu sammeln ist wie ein Spiel, es funktioniert nicht alleine. Die Familie Hoffmann hat mich mit ihrer Sammelleidenschaft angesteckt.“

Kein Wunder, denn Erika Hoffmann, eine Ikone unter den privaten Sammlern, liebt den Diskurs über die Kunst. Sie nutzt fremde Perspektiven, um Neues in ihren Werken zu entdecken. Samstag für Samstag ermuntert sie die Besucher der privaten Hallen der Sammlung Hoffman sich zur Kunst auszutauschen. „Jeder hat seine eigene Wahrnehmung und alles ist fragwürdig. Die Kunst, die in unseren Räumen hängt regt uns an bestimmte Fragen zu stellen. Tut sie das gerade nicht, hängt sie im Lager.“

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Private Sammler = Galerist?
Deutschland braucht sich also keine Gedanken um die Vernetzungskultur seiner Kunstsammler zu machen. Wer sich hingegen ein wenig Sorgen um seinen Job machen muss sind die Galeristen. Denn die neue Sammlergeneration begreift sich durchaus als Entdecker und Förderer von unbekannten Talent. Will es finden, bekannt machen und vielleicht ja auch verkaufen, auch wenn hiervon auf dem Panel keine Rede war. Im Gegensatz zu vielen Galeristen setzen sie dabei auf Öffentlichkeit, den KITZEL DES PRIVATEN und nicht zuletzt auf ihre gesellschaftliche Multiplikatorenrolle.

„Warum sich nicht den subjektiven Blick des tief involvierten Sammlers zu nutze machen? Ich glaube an die „Kraft“ anstatt der vielzitierten „Macht“ der Sammler. Ich habe schon Museumsdirektoren qua Diskurs von Werken überzeugt, für die sie sich anfangs gar nicht begeistern konnten“ sagt Ivo Wessel, der seine Besucher immer persönlich durch seine Sammlung führt, Schlafzimmereinblicke inklusive.

Überhaupt die Museen.
Die werden an diesem Nachmittag in die VERLIERERROLLE gezwängt. Thomas Köhler (Vizedirektor der Berlinischen Galerie) erzählt von Museen, die keine Ankaufs-Etats mehr haben und zeitgenössische Ausstellungen nur noch realisieren könnten, wenn private Sammler sie unterstützen.
Was die anwesende Sammlerschaft zu spitzen Bemerkungen veranlasst. Man würde ja eventuell, wenn man gefragt würde, aber wenn jemand Konkurrenzverhalten zeige, dann die Museen als die Sammler. Und scheu seien die Museumsdirektoren auch noch. Bei Erika Hoffmann war noch „nie ein Museumsdirektor zu Hause“.

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Was Christian Boros auf den Plan ruft: „Ich sehe in der Verbrüderung zwischen privaten Sammlern und Museen keinen Wert. An Privatsammlern interessiert doch das SUBJEKTIVE DES SAMMLERS. An beiden Orten wird ganz unterschiedlich rezipiert, das darf man nicht vermengen.“

Christiane zu Salm streut weiter Salz in die Wunde: „Ich beobachte, dass Museen wenig Mut für Kombinationen haben. Ich schätze es, wenn unterschiedliche Welten aufeinander treffen und fördere diesen Diskurs in Gesprächscollagen. Abende, an denen ein Künstler einen Gesprächspartner aus Politik oder Wirtschaft zum Gespräch einlädt. Am Ende nimmt jeder etwas Neues in seine Welt mit.“

Was Galeristen von den privaten Sammlern lernen können
Als ich mir den Diskurs so anhörte, stieg in mir unweigerlich die Frage hoch, was wohl ein Galerist hierzu gesagt hätte. Nicht einmal war von ihrer Rolle im Dialog zwischen Sammlern, Museen und Künstlern gesprochen worden. Ich habe mir das MIKROFON geangelt und die versammelten Damen und Herren nach ihrem Umgang mit den Galeristen gefragt. Ganz besonders gern wissen wollte ich, wie ihre allerersten Berührungspunkte mit Galeristen ausgesehen haben. Damals, als sie noch kein „Kunstsammler“ am Briefkasten stehen hatten.

Christiane zu Salm hat mir eine Antwort gegeben, die mich darin bestätigt hat, dass Galeristen vielleicht doch ein wenig aus ihrer schwer einsehbaren FESTUNGS-HALTUNG heraus treten sollten. „Als ich anfing Kunst zu sammeln, habe ich durch das Fenster der Galerie gespäht, um den Moment zu erwischen, an dem der Galerist im Hinterzimmer verschwand. Dann bin ich hinein gehuscht. Ich komme ja nicht aus der Kunstbranche und hatte Angst, mich zu blamieren“

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Liebe Galeristen, ihr müsst ja nicht unbedingt auf facebook Eure Schlafzimmer präsentieren, aber eventuell macht es Sinn über ein wenig mehr Öffentlichkeit im Sinne von Gesprächsimpulsen nachzudenken. Ein wenig transparenter werden und Begegnungen zu initiieren, mit denen die noch nicht auf der geheimen Kundenliste stehen.  Sozusagen den Kunden von morgen. Ich hätte da schon ein paar Ideen.

MEHR zur neuen Generation der Kunstsammler

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DIE NEUE GENERATION KUNSTSAMMLER

Independent Collectors

source: Independent Collectors

Ich kann nicht behaupten, dass ich mich mit der Kunst auskenne. Ich kann sagen, dass sie mich manchmal bewegt, manchmal fasziniert und manchmal völlig kalt lässt. Ich habe den lächerlichen Versuch unternommen, den KUNSTMARKT mit Hilfe meiner markenstrategischen schwarz umrandeten Brille zu durchleuchten, um zu verstehen, warum sich dieser Markt so verdammt hartnäckig vor dem digitalen Zeitalter verschließt. Oder sagen wir: sich sehr langsam an dieses heran wagt. Viel habe ich nicht verstanden. Nur, dass es sich mit der Kunst wohl so verhält wie mit allen Märkten, die von einer selbst ernannten ELITE getrieben werden: Gesetze sind solange gültig bis eine neue Generation kommt, die ihnen eine PARALLELWELT entgegensetzt, die irgendwann zu groß ist, um weiterhin ignoriert zu werden.

Independent Collectors ist vielleicht so eine. Ihre Gründer Ulrich Grothe, Christian Schwarm und Uwe Thomas haben sich im letzten Jahr getraut den Austausch unter den Sammlern über Künstler, Ausstellungen, Galerien und Messen auf die Sprünge zu helfen. Ihre Sammler-Community Independent collectors will die Sammler zeitgenössischer Kunst weltweit miteinander vernetzen. Private Kunstsammlungen sollen öffentlich werden. Man zeigt was man hat. Und zwar der ganzen Welt, wenn sie es denn will. Wenn es dabei richtig gut läuft, dann steht die Plattform aber auch für eine NEUE SAMMLERGENERATION, die sich gegenseitig informiert und unterstützt. Die Vision von Independent Collectors folgt also dem Gesetz des Internets, das da heißt: „You are what you share“.

Independet Collectors trägt damit die Parallelwelt einer jungen  Sammlergeneration an die Oberfläche. Tim Ackermamn nennt sie: „Jene jungen Menschen, die im Zuge des letzten Marktbooms begonnen haben, im bescheidenen Rahmen Kunst zu kaufen. Sie müssen sich ihre Nische suchen, Trends früh erkennen und die Händler in mühsamen Gesprächen überzeugen, ihnen ein wichtiges Werk zu überlassen. Da sie für ein Werk im Ausnahmefall einen niedrigen fünfstelligen, keinesfalls jedoch einen sechsstelligen Betrag ausgeben, haben sie es bisher schwerer bei den Galeristen“

Independent collectors

Zum Video

Künstler wie Parra, die selber Teil dieser Generation sind, fühlen sich ihnen bereits zugehörig und haben kein Problem damit, ihre Kunst auch mit denen zu teilen, die sich ihr auf eine spielerische Art und Weise annähern.

Das ist die eine Seite. Natürlich interessiert es mich brennend wie diese Bewegung von der anderen wahrgenommen wird. Heute Nachmittag treffe ich auf dem berlin talk des Artforum eine feine Runde deutscher Kunstsammler, darunter Erika Hoffmann (Sammlung Hoffmann, Berlin), Christiane zu Salm (Berlin) und Christian Boros (Wuppertal und Berlin). Ich hoffe etwas über ihre Perspektive auf die beiden Sammlergenerationen zu erfahren. Wer mitkommen mag: hier ist das Programm der berlin talks, die noch bis Sonntag laufen.

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„I do art for a whole new generation of art buyers“

Parra, pool gallery

Parra ist ein Künstler mit einer äußerst entspannten Haltung gegenüber dem, was sich Kunstmarkt nennt. „With my art, I will never meet the traditional art scene“, sagt er und stört sich nicht daran. Eine HALTUNG, die durchaus von einigen Künstlern vertreten wird, aber Parra hat eine persönliche Alternative für sie gefunden. Er präsentiert seine comicartigen, skurilen Grafiken und Skulpturen sowohl in jungen vielversprechenden Gallerien wie die pool gallery, aber er setzt sie auch in NEUE KONTEXTE. Druckt sie auf T-Shirts und kreiiert zusammen mit dem renommierten Artmagazin Arkitip für Wood Wood POP-UP STORES. Nachts definiert er mit Parra Soundsystem „THE ART OF PARTYING“ und wird dafür in Paris, Berlin und Antwerpen von der Szene gefeiert. Arkitip hat Parra übrigens eine ganze Ausgabe gewidmet und ein Video zu einem Tag in seinem Leben gedreht.

Parra works

Und ja, Parra ist einer dieser Street-Art Künstler, die auch mit Marken zusammenarbeiten. Er entwirft für Nike, Converse, Vans und Incase limitierte Produkt-Editionen und hat damit kein Identitätsproblem. Im Gegenteil, er ist Teil einer „STREETCULTURE“, die laut artschoolvets „mittlerweile die vermeintliche Elite inspiriert und damit beweist, dass Innovation heutzutage aus der expandierenden und sich ständig neu definierenden Popkulturblase entsteht, die weitaus mehr ist, als nur die Summe einer vom Mainstream übersättigten Gegenbewegung.“

Parra nennt seine Kooperationen „collap stuff“ und betrachtet die Skateboards, T-Shirts und Plattencover als Ergänzung zu seiner Kunst, die sich auch jemand leisten kann, der noch nicht in „richtige“ Werke investieren kann oder mag. Er tut dies ganz bewusst gegen das Manifest der ehrbürdigen Kunstszene: „I don‘t think they are allowed in the real art world.“ In einem Interview mit artschoolvets und highsnobiety erklärt Parra wo er den Unterschied zwischen „neuen“ und „traditionellen“ Künstlern sieht.
Parra, Artschoolvets

Zum Interview

Parra gelingen mit dieser Haltung drei Dinge auf einmal: Er lebt seine und VON seiner Kunst, er scheint eine Menge Spass dabei zu haben und er macht sie den Leuten zugänglich, mit denen er gerne abhängt. Darunter auch diejenigen, die Gallerien vorallem dafür lieben, weil sie eine HÜBSCHE KULISSE für die Treffen mit den lokalen „Arties“ versprechen.

Begegnet bin ich Parra an einem der letzten Berliner Sommerabende beim Opening von „I like the Painting but I will get the TeeShirt“ in der pool gallery. Zu Hunderten waren die SPÄTSOMMERABEND-HUNGRIGEN gekommen, um den Gehsteig und die Strasse vor der pool gallery zu betrinken. Frank hat auf I heart Berlin übrigens eine Typologie oder auch einen Erklärungsansatz für den gewöhnlichen Gallerie-Hüpfer geschrieben.

Parra, pool gallery

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Getrunken haben wir in der Tat Einiges und mindestens mit jedem zweiten Spritz auf Parra angestossen. Denn im Gegensatz zu vielen Vernissagen auf denen die Kunst für die durstige Meute eher die hübsche Tapette ist, sind Parras Grafiken, Skulpturen und vorallem seine Haltung zwischen uns geschlüpft. Und sie haben „VERKAUFT“. Die zum ersten Mal in Deutschlands präsentierte „Dancing Peach“ war sofort ausverkauft, wenn man das in der Kunstszene so sagen darf. Die NYTimes schreibt sogar, dass „es die erfolgreichste Ausstellung der pool gallery“ war.

Wer sie sehen mag, „I like the TeeShirt but I will get the painting“ ist noch bis zum 10. Oktober in der pool gallery zu sehen: Tucholskystrasse 38, Berlin

Parra, pool gallery

source: stylesreport berlin

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